Ausbildungs-Traum wird Wirklichkeit

Ein Mann der ersten Stunde. Als der Lebenshilfe-Dorfladen in Donsbach 2018 eröffnet wurde, stand er bereits hinter der Theke und kassierte: Simon Farago, Beschäftigter der Reha-Werkstatt in Haiger. Ab dem 1. September bricht für den 37-Jährigen eine neue Zeit an: Er beginnt eine Ausbildung zum Verkäufer.

Ein Traum, der in Erfüllung geht. Schon während seiner Schulzeit hatte der Herborner Praktika im kaufmännischen Bereich absolviert. Als er am 2. Mai 2013 im Berufsbildungsbereich der Reha-Werkstatt anfing, war schnell klar: Ziel sollte es sein, Farago mit seinen Fähigkeiten auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen – sofern alle Faktoren stimmen. Denn aufgrund seiner psychischen Erkrankung ist er auf Unterstützung angewiesen. „Manchmal verliere ich den Faden“, erklärt er. „Wenn viele Sachen auf einmal kommen, kann ich sie mir nicht so gut merken.“ Ähnlich wie mit den Konzentrationsschwächen verhalte es sich mit dem Kopfrechnen. „An manchen Tagen habe ich einen richtigen Lauf, an anderen Tagen stehe ich auf dem Schlauch. Ich brauche immer klare Strukturen.“

Diese Schwierigkeiten kennt sein neuer Arbeitgeber, Edeka Göbel in Haiger. Marktleiter Kai Göbel kennt aber auch seine Stärken. Im Februar hat Farago dort ein vierwöchiges Praktikum absolviert. „Durch meine Arbeit im Dorfladen konnte ich bereits einiges an Wissen zu Produkten, Barcodes Sortierung und Zuordnung mitbringen“, sagt Farago. Das und seine stets freundliche Art machten ihn schnell zu einer wertvollen Bereicherung im Edeka-Team. „Als ich gerade Tiefkühlprodukte einräumte, kam Herr Göbel zu mir. Er sagte, er habe einen sehr guten Eindruck von mir, ich sei sehr fleißig und habe eine Chance verdient.“ Nach gemeinsamen Absprachen mit Farago, dem Dorfladen und dem Sozialen Dienst der Lebenshilfe setzte Göbel den Ausbildungsvertrag auf. Farago ist nicht der erste Beschäftigte der Lebenshilfe, der bei Edeka Göbel eine neue berufliche Heimat gefunden hat. Ein weiterer Beschäftigter der Werkstätten arbeitet dort bereits auf einem Außenarbeitsplatz der Betriebsintegrierten Beschäftigung.

„Simon ist jemand, der sich an alles heranwagt und der immer ein Teamplayer ist“

„Wir wissen, dass Simon bei Göbel in guten Händen ist“, sagt Eileen Fahrenbach, hauptamtliche Kraft im Dorfladen-Team. „Wir sind sehr stolz und freuen uns für Simon, auch wenn er uns hier im Dorfladen an allen Ecken und Enden fehlen wird. Er ist einfach ein Teil von hier.“ So sind im Team auch schon ein paar Tränen geflossen. Farago dazu: „Klar werde ich das hier vermissen. Aber ich bin ja nicht aus der Welt. Und ich weiß, dass ich mich hier immer melden kann, wenn ich Probleme habe.“

Neben aller Vorfreude hat Farago auch ein wenig Bammel vor der neuen Aufgabe. Insbesondere vor der Berufsschule. „Es ist schließlich 20 Jahre her, dass ich zuletzt in der Schule war. Ich hoffe, dass ich mit meinen Mitschülern gut klarkomme und mich auf den Schulstoff konzentrieren kann. Ich muss mich einfach dazu zwingen, mich auf den Hosenboden zu setzen und zu lernen.“

Und dass Farago zielstrebig ist, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. So hat er etwa vor zweieinhalb Jahren seinen Führerschein gemacht, um nicht zu abhängig von Bus- und Zugverbindungen zu sein. „Simon ist jemand, der sich an alles heranwagt und der immer ein Teamplayer ist. Das zeichnet ihn besonders aus. Und ich wünsche ihm einfach, dass er bleibt, wie er ist. Dann kann er all das erreichen, was er sich wünscht“, so Fahrenbach.

Abschied vom Dorfladen-Team – hier mit Eileen Fahrenbach (l.) und Martina Große. (Foto: Holtfoth)

WfbM startet dreidimensional durch

Es surrt leise im Besprechungsraum in der Werkstatt Oberscheld. Die Düse fährt ihre Bahnen über die Fläche und trägt wie eine Spritzpistole fein säuberlich Schicht für Schicht auf. Restzeit: zwei Stunden, 46 Minuten. Dann ist sie fertig, die Arbeitshilfe für einen Auftrag des Torbauers Bothe-Hild. Eine von vielen unterstützenden Vorrichtungen für Menschen mit Behinderung, die seit Anfang des Jahres in Oberscheld entstanden sind. Weiterlesen

Lernen mit den Azubis

„Das war ne schöne Arbeit hier, echt super“, blickt Christian Liebig auf die vergangenen beiden Monate zurück. In dieser Zeit haben er und andere vier Beschäftigte der Dillenburger Werkstätten einen Lehrgang zur Metallverarbeitung im Kaltwalzwerk Outokumpu Nirosta GmbH absolviert. Weiterlesen

„Herr Bostanci sorgt für gutes Betriebsklima“

„Herr Bostanci, bitte zum Leergut, Herr Bostanci, bitte.“ Eine Durchsage im Edeka-Markt Göbel in Haiger, die den 32-jährigen Serdar Bostanci mit Stolz erfüllt. Wenn er gebraucht wird, ist der Mann mit Behinderung sofort zur Stelle. Eine seiner vielen Qualitäten: Zuverlässigkeit. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Beschäftigte der Werkstätten aus dem Edeka-Team nicht mehr wegzudenken ist. Weiterlesen

Menschen mit Behinderung sind „eine Bereicherung fürs Unternehmen“

Mitte der 90er Jahre: Die erste Beschäftigte der Dillenburger Werkstätten beginnt ihre Tätigkeit beim Kunststofftechnik-Unternehmen Bretthauer in Frohnhausen. Heute sind es 21 Menschen mit Behinderungen aus der Lebenshilfe Dillenburg, die dort in einer Außenarbeitsgruppe beschäftigt sind, zwei weitere auf Einzelarbeitsplätzen der sogenannten Betriebsintegrierten Beschäftigung (BiB). „Das hier ist berufliche Inklusion, die sich sehen lassen kann“, sagt Dirk Bankmann, der gemeinsam mit Stefan Köhler die Außenarbeits-Gruppe leitet. Weiterlesen

Vertrauliches in besten Händen

Das hungrige Maul der Maschine zermalmt in Windeseile das Papier zu winzigen Schnipseln. Neben der Anlage stehen drei kräftige Kerle, Beschäftigte der Dillenburger Werkstätten. Sie füttern das Laufband unaufhörlich mit weiteren Stapeln an Dokumenten, die sie aus einer blauen Tonne holen. Weiterlesen

Öffnung der Dillenburger Werkstätten

UPDATE 7. Juli:

Seit vergangenen Freitagnachmittag ist die Verordnungslage bzgl. der weiteren Öffnung der Werkstätten nun endlich eindeutig.

Dies bedeutet für die Dillenburger Werkstätten: Wir werden die Werkstätten ab kommenden Mittwoch, 08.07.2020 für die besonderen Wohnformen wieder öffnen.

Eingeschränkter Regelbetrieb während der Corona-Pandemie

Für unsere Dillenburger Werkstätten gilt seit dem 2. Juni ein eingeschränkter Regelbetrieb. Das bedeutet: Alle Beschäftigten, die durch das Betreute Wohnen begleitet werden, alleine oder bei ihren Eltern leben, dürfen seitdem wieder die Einrichtungen besuchen. Darüber hinaus dürfen Beschäftigte im Rahmen der Notbetreuung in die Werkstätten kommen. Dies betrifft etwa 250 von 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WfbM.

Die Rückkehr ist ausgeschlossen für WfbM-Beschäftigte, die einer Risikogruppe zuzuordnen sind, aktuell infiziert oder positiv getestet sind oder sich nicht an unsere Schutz- und Hygienemaßnahmen halten können. Wer einer Risikogruppe angehört und die Werkstatt nicht besuchen kann, muss ein ärztliches Attest vorlegen. Verantwortlich, diesen Nachweis zu erbringen, ist der Klient selbst oder die rechtliche Betreuung bzw. diejenige Person, der die Gesundheitsfürsorge obliegt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es trotz ursprünglicher Ankündigung noch keine Verordnung von Seiten des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, die eine Rückkehr der Beschäftigten erlaubt, die in einem unserer Wohnheime oder einem Wohnheim eines anderen Trägers leben.

Adventsstimmung in Oberscheld

Zum bereits 35. Mal hat die Lebenshilfe-Werkstatt in Oberscheld zur gemütlichen Adventsfeier eingeladen. Der Speisesaal der Einrichtung war bis auf den letzten Platz gefüllt: Die Beschäftigten und ihre Angehörigen verbrachten dort vorweihnachtliche Stunden miteinander. Weiterlesen

Stadt und Lebenshilfe im zweimonatigen Schichtwechsel

Menschen mit und ohne Behinderungen lernen für jeweils einen Tag die Arbeitswelt des anderen kennen – ein einfaches Konzept mit weitreichender Wirkung. Nach rundum positiver Resonanz hat die Lebenshilfe Dillenburg zum zweiten Mal ihr „Schichtwechsel“-Projekt umgesetzt. Kooperationspartner war neben dem Kaltwalzwerk Outokumpu auch in diesem Jahr wieder die Stadt Dillenburg: Acht Mitarbeiter der Stadt haben über zwei Monate hinweg jeweils zwei Tage mit acht Beschäftigten der Dillenburger Werkstätten zusammengearbeitet. Weiterlesen

Werkstatt trifft Werk zum „Schichtwechsel“

Ein Tag in der Werkstatt, ein Tag im Kaltwalzwerk. Und mittendrin: acht Menschen mit und ohne Behinderungen, die mit und von ihrem Gegenüber lernten. Der Edelstahlhersteller Outokumpu Nirosta GmbH mit dem in Dillenburg ansässigen Werk hat ebenso wie die Stadt Dillenburg zum zweiten Mal am „Schichtwechsel“-Projekt der Lebenshilfe Dillenburg teilgenommen. Weiterlesen

hr besucht Wildpark Donsbach

Mit einem Bewerbungsvideo hat Manfred Krautwald den Hessischen Rundfunk dazu eingeladen, sich seinen Arbeitsplatz zeigen zu lassen: den Wildpark in Donsbach, der von einer Außenarbeitsgruppe der Dillenburger Werkstätten gepflegt wird. Nun ist ein Fernsehteam der „Hessenschau“ der Einladung gefolgt. Weiterlesen

Backspaß beim Ferienpass

Bereits zum zweiten Mal in diesen Sommerferien haben Schulkinder der Haigerer Ferienpass-Aktion gemeinsame Stunden mit Beschäftigten der Reha-Werkstatt Haiger verbracht. Nach einem Bastel-Angebot zu Beginn der Ferien in der Stadtbücherei stand nun Pizza- und Waffelbacken in der Werkstatt auf dem Programm. Weiterlesen

FSJ bei der Lebenshilfe: „Mehr als nur Überbrückung“

Sophie Göbel möchte Anglistik studieren, Max Bombe eine Ausbildung im Metallbereich beginnen. Dass die beiden zwischen Schule und Berufsziel ein Jahr lang mit Menschen mit Behinderungen verbringen würden, stand eigentlich nicht auf ihrer Lebensliste. Und doch wurde das Freiwillige soziale Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe Dillenburg für sie zu einer prägenden und unvergesslichen Zeit. Weiterlesen

Werkstatt-Skulptur erkundet Dillenburger Altstadt

Am Sonntagnachmittag hat sich in Dillenburg ein Drache auf Erkundungstour durch die Altstadt begeben. Eine schlauchartige Skulptur aus papierähnlichem Tyvek-Stoff, 62 Meter lang und auf zwölf Rollen mit Holzstäben gespannt. Das Projekt des Frankfurter Künstlers Levent Kunt hat die Reha-Werkstatt aus Haiger in die Tat umgesetzt.

„Wichtig ist, die Skulptur auf Spannung zu halten“, erklärte Kunt den freiwilligen Trägern des Drachen am Ausgangspunkt an der Villa Grün. Wichtig vor allem wegen einiger Erschwernisse, die unterwegs lauerten: Windböen, Äste und Stufen. Doch der Drache trotzte allen Widrigkeiten und sorgte auf seiner Reise für allerlei Aufsehen. Rundum Applaus, Handyfotos und Fragen zum Projekt.

„Der Drache symbolisiert den Brunnen in den Kasematten“, gab es dann als Erklärung. Dessen Tiefe von 62 Metern und den Durchmesser von einem Meter bringt der Künstler auf diese Weise anschaulich zur Geltung. Vom 16. Juni bis zum 1. September findet in den Dillenburger Kasematten eine Ausstellung mit zeitgenössischen Künstlern statt. Der „Drache von Dillenburg“ bildet mit den Auftakt dazu. Die Reha-Werkstatt Haiger hat die Vorstellungen von Levent Kunt innerhalb kurzer Zeit in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit der Werkstattbeschäftigten Lena Ziemkendorf hat Gruppenleiterin Dagmar Nickel den Drachen zum Leben erweckt. Nun war sie eine der Trägerinnen der Skulptur. „Das ist schon ein tolles Gefühl“, sagte sie. Und der Künstler selbst strahlte mit der Sonne um die Wette. „Ich bin sehr zufrieden mit allem.“